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Jeder hat sicher schon mal von den sogenannten Hafertagen gehört, bei dem man mehrere Tage ausschließlich Hafer isst. Empfohlen werden diese Hafertage gerne bei Diabetes und Prädiabetes, weil sie den Blutzucker verbessern können. Aber auch zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels oder als Diätmaßnahme zum Abnehmen sowie zur Darmpflege werden sie oft propagiert.
Stellt sich jetzt die Frage: Ist tatsächlich was dran an der Wirkung dieser Hafertage, sprich sind diese wissenschaftlich belegt? Die kurze Antwort lautet: ja und gerne möchte ich euch speziell den cholesterinsenkenden Effekt heute mal etwas näher beleuchten.
Den Inhaltsstoff, den man lange Zeit für diesen cholesterinsenkenden Effekt verantwortlich gemacht hat, ist das ß-Glucan. ß‑Glucan ist ein der löslicher Ballaststoff, der dem Hafer beim Kochen seine schleimige Konsistenz verleiht und den Cholesterinspiegel über mehrere, interessante Mechanismen absenken kann.
So kann ß-Glucan z.B. Cholesterin und Gallensäuren im Darm binden, was zur Folge hat, dass Cholesterin und Gallensäuren verstärkt mit dem Stuhl ausgeschieden werden, statt wie üblich rückresorbiert und recycled zu werden. In der Konsequenz muss die Leber jetzt neue Gallensäuren nachproduzieren und nutzt dafür als Ausgangsstoff Cholesterin. Da der Cholesterinvorrat der Leber dadurch sinkt, steigert die Leber infolge die Aufnahme von Cholesterin aus dem Blut (über gesteigerte LDL-Rezeptoraktivität), wodurch der Blut-Cholesterinspiegel absinkt. Hinzukommt, dass ß‑Glucan im Darm teilweise von Bakterien fermentiert wird, wodurch sogenannte kurzkettige Fettsäuren (v.a. Propionat) entstehen, die die Cholesterinsynthese in der Leber herunterregulieren und den Cholesterinspiegel auch über diesen Mechanismus senken können.
Das ist aber noch nicht alles. Eine ganz aktuelle Studie aus 2026 zeigt jetzt, dass ß-Glucan alleine die cholesterinsenkende Wirkung nicht erklären kann. Neuere Untersuchungen zeigen vielmehr, dass die Polyphenole im Hafer eine weitere entscheidende Stoffgruppe darstellt, die den positiven Effekt von Hafer auf den Cholesterinspiegel erklärt. Polyphenole im Hafer werden von ganz bestimmten Darmbakterien (Erysipelotrichaceae UCG‑003) verstoffwechselt und verspeist, wodurch sich diese vermehren und Polyphenol-Stoffwechselprodukte wie Ferulasäure (FA) und Dehydroferulasäure (DHFA) entstehen. Diese werden dann ins Blut absorbiert und gelangen so zur Leber, wo sie ähnlich wie die aus ß-Glucan entstehenden kurzkettigen Fettsäuren direkt in den Cholesterinstoffwechsel eingreifen.
Interessanterweise reicht für einen wirklich messbaren cholesterinsenkenden Effekt von Hafer eine Portion Haferflocken zum Frühstück nicht aus. Dafür bedarf es vielmehr eines sogenannten Hafer-Resets, bei dem mind. 2 Tage lang, jeden Tag 3 Portionen aus je 100 g grobe Haferflocken verzehrt werden, die ohne weitere Zutaten nur in Wasser gekocht werden. Erst bei diesen Mengen werden entsprechende Blutspiegel Ferulasäure (FA) und Dehydroferulasäure (DHFA) im Blut erreicht sowie eine Veränderung des Darmmikrobioms beobachtet, die schließlich den Cholesterinspiegel signifikant senken.
Der Gesamtcholesterinspiegel konnte in Studien so bereits innerhalb von 2 Tagen auf diese Weise um grob ~ 8 % und der LDL-Cholesterinspiegel um ~10 % gesenkt werden. Spannend dabei war, dass dieser cholesterinsenkende Effekt noch nach den Hafertagen weitere 6 Wochen anhielt, auch wenn in diesen 6 Wochen kein weiterer Hafer mehr verzehrt wurde.
Das spannende am Hafer ist, dass er neben dem Cholesterinspiegel, auch den Blutzucker und die Insulinempfindlichkeit verbessern kann. 2 Hafertage können die Blutzuckerkontrolle so dratisch verbessern, dass Diabetiker ihre Insulindosis teilweise um bis 40% reduzieren konnten2. Und interessanterweise auch hier hält der Effekt noch weitere 4 Wochen nach den Hafertagen an, wenn kein weiterer Hafer verzehrt wird.
Im Gegensatz zur Cholesterinsenkung braucht es für positive Effekte auf den Blutzucker jedoch nicht immer zwingend reine Hafertage. Messbare Effekte auf den Blutzucker lassen sich bereits bei Mengen von 100 g Haferflocken pro Tag beobachten, die gut in die normale Ernährung eingebaut werden können. Ab dieser Menge sind deutliche Effekte auf den Nüchternblutzucker, den Blutzucker nach den Mahlzeiten sowie den Langzeitzucker (HbA1c) zu beobachten3.
Zur Senkung des Blutzuckers sind im Gegensatz zur Cholesterinsenkung während einer Haferkur kleine Mengen von zuckerarmen Obstsorten, wie Beeren sowie zucker- und stärkearme Gemüse, etwas Salz und Gewürze erlaubt, um die Durchführung zu erleichtern. Andere Zutaten, wie z.B. Öle, Saaten, Milchprodukte oder Pflanzendrinks sind allerdings nicht erlaubt.
Last but not least kann Hafer aber auch unser Immunsystem positiv beeinflussen. Der enthaltene lösliche Ballaststoff β-Glucan kann z.B. Makrophagen, natürliche Killerzellen und andere Immunzellen aktivieren, was wiederum die Abwehr gegen Infektionen verbessern kann. Und die kurzkettigen Fettsäuren, die beim Abbau des ß-Glucan durch Dickdarmbakterien entstehen, können helfen systemische Entzündungen zu reduzieren.
Kleine Anmerkung: Die positive Wirkung auf‘s Immunsystem ist aber nur dann bei Hafer gegeben, wenn keine Allergie gegenüber Hafereiweißen und auch keine Unverträglichkeit gegenüber Gluten oder eine Zöliakie vorliegt. Der Grund: Hafer ist streng genommen nicht glutenfrei, auch dann nicht, wenn er frei von Fremdkontaminationen durch andere glutenhaltige Getreide ist (siehe dazu meine Podcast Folge und mein ebook mit dem Titel „Ist Hafer wirklich glutenfrei?“). Menschen mit Zöliakie und mitunter auch sehr sensible Personen mit Glutenunverträglichkeit sollten ihn deshalb eher meiden, da er ihr System eher negativ triggert.
„Ein 2-tägiges Hafer-Reset lohnt sich alle paar Wochen, wenn man seinen Cholesterinspiegel und Blutzucker verbessern möchte. Verantwortlich für die Effekte sind der lösliche Ballaststoff ß-Glucan, die Polyphenole und die Stoffwechselprodukte unseres Darmmikrobioms. Wer danach gesättigte Fette durch ungesättigte ersetzt und viele Ballaststoffe integriert, wird die Erfolge vermutlich noch weiter steigern können.“
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