Hühnersuppe bei Erkältung – Was ist dran und sagt die Wissenschaft dazu?

Hühnersuppe wird ja seit Jahrhunderten in vielen Kulturen weltweit als traditionelles Hausmittel bei Erkältungen, Grippe und Unwohlsein empfohlen. Sogar schon im alten Ägypten empfahl man Geflügelbrühe bei Atemwegsinfekten und in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) gilt sie seit Jahrtausenden als potentes Mittel gegen einsetzende Erkältung sowie als Stärkungsmittel bei Schwäche, Erschöpfung und nach Krankheit. Auch Maimonides, ein Arzt des 12. Jahrhunderts, beschrieb bereits ihre Wirkung als medizinisch bedeutsam.

Fragt sich, was ist dran an dieser Tradition und gibt es mittlerweile wissenschaftliche Belege, die ihren Nutzen bei Krankheit belegen können?

Mediziner und Biochemiker haben sich dieser Frage mittlerweile angenommen und seit den 1970er Jahren hat man begonnen die Wirkung von Suppen, insbesondere Hühnersuppe genauer zu erforschen. Die Ergebnisse sind doch recht beeindruckend: Auch wenn sie kein Wundermittel ist, zeigt sie nachweisbare positive Effekte auf Entzündung, Nasenatmung und Immunregulation.

Die wichtigsten wissenschaftlichen Studien:

  1. Ihr Einfluss auf Nasenschleim und Luftstrom

Die erste Studie1, die zu dem Thema durchgeführt wurde, war die von Saketkhoo und Kollegen im Jahre 1978. Da man ja davon ausgehen könnte, dass womöglich nur die heiße Zubereitung den Effekt der Hühnersuppe erklären könnte, ließ man in dieser Studie erkältete Probanden drei verschiedene Flüssigkeiten trinken:

  • kaltes Wasser
  • heißes Wasser
  • Hühnersuppe

Gemessen wurden anschließend die Mucus velocity (Schleimtransportgeschwindigkeit) und die Nasal airflow resistance (Widerstand beim Atmen durch die Nase). Das Ergebnis: Heißes Wasser verbesserte etwas die Nasenpassage, aber Hühnersuppe wirkte signifikant stärker. Neben Wärme und Dampf scheinen demnach tatsächlich Hühnersuppen-spezifische Bestandteile den Schleimtransport zu fördern.

  1. Die berühmte „Neutrophilen-Studie“

Im Jahr 2000 griff die Studie von Rennard et al. das Thema dann nochmal erneut auf und untersuchte die Wirkung von Hühnersuppe in einer Laborstudie2. Die Ergebnisse waren so interessant, dass sie sogar von großen Medien wie der New York Times damals aufgegriffen wurde.

Forscher testeten in dieser Studie eine traditionelle Hühnersuppe im Labor und untersuchten, wie sie auf Neutrophile wirkt. Neutrophile sind Immunzellen, die bei Erkältungen in großen Mengen in die Schleimhäute einwandern und dort Entzündung verursachen.

Das Ergebnis war, dass Hühnersuppe die Neutrophilen-Wanderung hemmte und dies konzentrationsabhängig tat. Das ist insofern relevant, weil eine Überreaktion der Neutrophilen zu geschwollenen Schleimhäuten, verstopfter Nase, Halsschmerzen und verstärkter Schleimproduktion führt. Eine milde Hemmung kann die Symptome entsprechend reduzieren, ohne die Immunabwehr lahmzulegen. Kurz gesagt: Hühnersuppe wirkt leicht entzündungshemmend.

  1. Eine Tierstudie zur Immunmodulation

Später wurden die Laborergebnisse von Rennard weiter durch Studien mit Tieren untermauert. So konnten Li und Kollegen in einem Mausmodell3 zeigen, dass Hühnersuppe die Antikörper (Immunglobuline) der Klasse IgA und IgG erhöht, Immunbotenstoffe/ Zytokine, wie IL‑2, IL‑6 und TNF‑α positiv moduliert und zudem die Erholung eines geschwächten Immunsystems unterstützt.

Demnach besitzt Hühnersuppe offenbar biologisch aktive Komponenten, die die Immunregulation beeinflussen.

  1. Systematische Übersichtsarbeit (Review)

Im Jahr 2022 folgte schließlich eine Übersichtsarbeit4, in der alle vorhandenen Studien zu dem Thema analysiert wurden. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Hühnersuppen reduzierten Symptomschwere bei Atemwegsinfekten, v.a. verstopfte Nase, Halsschmerzen und Husten
  • Hühnersuppen reduzieren Immunbotenstoffe/ Zytokine
  • Hühnersuppen verbessern den mukoziliären Transport (Schleimtransport)

Das Review betont dabei aber, dass die Evidenz zwar positiv ist, aber immer noch große, hochwertige klinische Studien fehlen würden.

Fasst man die Studien zusammen, zeigt sich, dass Hühnersuppe eine entzündungshemmende und schleimhautabschwellende Wirkung hat. Auch verflüssigt sie den Schleim, wodurch dieser Schleim leichter und schneller abtransportiert werden kann, wodurch die Atemwege entlastet werden.

Was ist für die Wirkung der Hühnersuppe verantwortlich?

Hauptverantwortlich für die schleimlösenden Wirkungen werden die Wärme, der Dampf, der Salzgehalt sowie verschiedene spezifische Inhaltsstoffe des Hühnerfleischs gemacht. Man geht davon aus, dass gerade bestimmte Aminosäuren sowie Aminosäureabkömmlinge und Peptide, die im Hühnerfleisch vorkommen, hier eine wesentliche Rolle spielen. Dazu zählen:

  • Cystein: eine schwefelhaltige Aminosäure, die chemisch verwandt ist mit N-Acetylcystein (NAC), einem typischen Schleimlöser, den man auch als ACC akut aus der Apotheke kennt.
  • Taurin: eine schwefelhaltige aminosäureähnliche Substanz, die die Funktion von Immunzellen unterstützt und zudem eine antioxidative sowie entzündungsmodulierender Wirkung hat. Gerade im Zuge der Immunabwehr werden viele freie Radikale von Immunzellen produziert, wodurch oxidativer Stress entsteht, der Gewebe schädigen kann und Entzündungen zur Folge hat. Taurin hilft diesen oxidativen Stress zu begegnen.
  • Carnosin und Anserin: Peptide mit ebenfalls antioxidativer und entzündungsmodulierender Wirkung, nur über etwas andere Mechanismen. Sie sorgen insgesamt für eine ausgewogenere Immunantwort und weniger Zellschäden durch oxidativen Stress und Entzündungen.

Darüber hinaus sollen auch der hohe Zinkgehalt im Hühnerfleisch, das Provitamin A in den mitgekochten Gemüsen, wie Karotten, Süßkartoffeln und Petersilie sowie verschiedene ätherische Öle und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe in Zwiebeln, Sellerie, Pastinaken und Petersilienwurzeln sich positiv auf die Schleimhäute auswirken. Viele sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, darunter Quercetin, Apigenin und Cumarine wirken z.B. antioxidativ und antientzündlich.

Auch spielt die die Wärme der Suppe und die schweißtreibende Wirkung eine wichtige Rolle. Durch die Wärme werden nicht nur die Schleimhäute besser durchblutet und der Schleimtransport verbessert. Die Wärme sorgt auch dafür, dass sich Immunzellen schneller an den Ort des Geschehens bewegen können und Viren und Bakterien bei solchen Temperaturen das Überleben erschwert wird. Das Schwitzen öffnet zudem die Poren und treibt laut TCM die eingedrungene Kälte aus dem Inneren. Und die zusätzlich zugeführte Flüssigkeit und die Elektrolyte spielen in dem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Suppe hilft demnach Flüssigkeit und Mineralien, wie Kalium und Magnesium zu ersetzen, die durch das Fieber und Schwitzen verloren gehen.

Aus Sicht der TCM sind es vor allem die Yang-Eigenschaften und die nährenden Wirkungen auf das Element Erde, die die Wirkungen der Hühnersuppe erklären. Yang steht für Wärme, Dynamik und eine kräftigende Wirkung auf das Erd-Element (Magen/Milz), welches wiederum für Transformations- und Verdauungskraft, steht. Ist das Erd-Element stark, können wir die zugeführte Nahrung besser verdauen und Energie aus ihr ziehen. Von dieser besseren Energiegewinnung profitieren schließlich auch unser Wärmehaushalt und unser Immunsystem, so dass wir uns weniger leicht erkälten.

Psychologische Aspekte
Zu guter Letzt spielen sicher auch noch psychologische Aspekte für die Wirkung von Hühnersuppe eine Rolle. Das heißt, der Wohlgeschmack und die erfolgte Zuwendung helfen Stress zu reduzieren, was wiederum die Gesundung unterstützt. Und auch der Placebo-Effekt ist nie zu unterschätzen, d.h. die kulturell positive Assoziation dieses Suppenrituals und der Glaube an ihre Wirksamkeit leisten ebenfalls einen beachtlichen Beitrag zur Wirkung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass all die genannten Faktoren miteinander synergistisch wirken und Hühnersuppe zu einem berechtigten Hausmittel bei Erkältungen und Grippe machen. Hühnersuppe kann Symptome tatsächlich lindern und damit den Verlauf um einiges angenehmer machen – und das ist es, was bei Erkältungen oft das Wichtigste ist.

In diesem Sinne, lasst euch mal wieder eine Hühnersuppe kochen, wenn ihr krank seid oder friert euch alternativ selbst gekochte Suppe auf Vorrat ein! Ein passendes Rezept findet ihr in meinem Instagram Feed und im aktuellen Newsletter. Wer diesen noch nicht abonniert hat, kann sich hier eintragen.

Solltest du allerdings Vegetarier sein, dann würde ich dir alternativ eine kräftige Gemüsebrühe empfehlen aus Gemüsen, wie Zwiebeln, Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzeln und Sellerie und das Ganze mit reichlich Knoblauch, etwas Rosmarin, Kurkuma und Scharfstoffen wie Ingwer und Chili aufpimpen. Damit kannst du den Verlauf deiner Erkältung ebenfalls verbessern und hast während der Zeit was zu essen, das leicht verdaulich ist und zugleich nährt.

Quellen:

Saketkhoo K, Januszkiewicz A, Sackner MA. Effects of drinking hot water, cold water, and chicken soup on nasal mucus velocity and nasal airflow resistance. Chest. 1978 Oct;74(4):408-10. doi: 10.1378/chest.74.4.408. PMID: 359266.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/359266/

Rennard BO, Ertl RF, Gossman GL, Robbins RA, Rennard SI. Chicken soup inhibits neutrophil chemotaxis in vitro. Chest. 2000 Oct;118(4):1150-7. doi: 10.1378/chest.118.4.1150. PMID: 11035691.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/359266/

Li Z, Li X, Cai Z, Jin G, Ahn DU, Huang X. Immunomodulatory effects of chicken soups prepared with the native cage-free chickens and the commercial caged broilers. Poult Sci. 2022 Oct;101(10):102053. doi: 10.1016/j.psj.2022.102053. Epub 2022 Jul 15. PMID: 35986946; PMCID: PMC9411684.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9411684/

Lucas, S.; Leach, M.J.; Kimble, R.; Cheyne, J. Were Our Grandmothers Right? Soup as Medicine—A Systematic Review of Preliminary Evidence for Managing Acute Respiratory Tract Infections. Nutrients 2025, 17, 2247. https://doi.org/10.3390/nu1713224

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